WSPR & Flight MH370; Richard Godfrey & DARC e.V.: Zwei erledigte Fälle

Seit Wochen führt Richard Godfrey, ein Renter aus dem Hessischen, die Fach- und Publikumspresse mit folgender These an der Nase herum: Mit historischen Logdaten von WSPR, einem Amateurfunk-Mode geringer Leistung, ließe sich der Todesflug MH370 verfolgen.

Ich habe diese These lange ignoriert, weil deren Unwissenschaftlichkeit für mich auf der flachen Hand lag. Als sie allerdings immer mehr Publizität gewann, sah ich das technisch-wissenschaftliche Image des Amateurfunks ins Lächerliche gezogen und schaltete mich mit eigenen Untersuchungen zu diesem Thema ein. In diesem und in diesem Beitrag versuchte ich auf technisch-wissenschaftlicher Basis und mit einer Unmenge von Daten die Scharlatanerien von Godfrey zu widerlegen.

Da war ich nicht der erste und schon gar nicht der einzige. Siehe unter anderem hier.

Zugleich schickte ich dem DARC e.V. eine kurze Information über meine Untersuchungen und deren Ergebnis. Erst 2019 hatte dieser “Bundesverband für den Amateurfunkdienst” Nobelpreisträger (Physik, 1993) Prof. Joe Taylor, K1JT, als Entwickler von WSPR (2008) endlich seinen “Horkheimer-Preis” zuerkannt, wofür ich mich schon Jahre zuvor erfolglos eingesetzt hatte – der Verein hat es offenbar immer noch nicht so mit moderner Technik. Mit meiner Information wollte ich erreichen, dass Godfrey nicht weiter den Amateurfunk und auch die Arbeit eines Nobelpreisträger lächerlich macht:

WSPR und MH370: Eine kritische Würdigung
Immer wieder gibt es in der Fach- und Publikumspresse Nachrichten darüber, dass Logdaten des WSPR-Datennetzes bei der Lokalisierung von Flugzeugen helfen können. Insbesondere geht es darum, den tatsächhlichen Absturzort des Fluges MH370 festzustellen. Diese Bemühungen laufen im Wesentlichen darauf hinaus, in den archivierten WSPR-Logdaten “ungewöhnliche” Pegelsprünge und Frequenzänderungen (“Drift”) festzustellen und diese Reflexionen bestimmter Flugzeuge zuzuschreiben (“Aircraft Scatter”). In einem Blogeintrag unterzieht Nils Schiffhauer, DK8OK, diese Theorie erstmals einer kritischen Würdigung. Diese fußt einerseits auf der jahrelangen Beobachtung von Aircraft Scatter auf Kurzwelle sowie einer Untersuchung von gut 30 Dopplerspuren. Die Ergebnisse dieser aufwendigen Analyse von über 10.000 Daten allein in einem Beispiel lesen sich ernüchternd: Die Auswirkungen von Aircraft Scatter auf das Gesamtsignal bewegen sich fast immer deutlich unter 0,3 dB. Eine Korrelation zwischen Pegelveränderungen des Gesamtsignals und Flugzeug-Scatter nachzuweisen, erscheint anhand des WSPR-Datenmaterials kaum möglich. Die Gründe sind vielfältig, liegen aber vor allem in der Kurzwellenausbreitung, bei der Pegeländerungen von 30 dB innerhalb weniger Sekunden eher die Regel als die Ausnahme darstellen. Da bei den bisherigen Untersuchungen am WSPR-Datenmaterial jedoch der örtliche und zeitliche Zustand der Ionosphäre nicht bekannt ist – er wird in professionellen OTH-Radar-System parallel erfasst und aus dem Empfangssignal herausgerechnet -, lassen sich Pegelsprünge allein aus dem Summensignal kaum eindeutig zuordnen. Dieser Befund wird im Blog durch weitere Argumente gestützt.

Wenngleich ich nichts vom DARC hörte, so landete diese Information jedoch auf mir unbekanntem Wege bei Richard Godfrey. Der reagierte in seinem Blog wie folgt:

Sie sind in diesem Blog nicht willkommen! Sie wurden 1992 aus dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) ausgeschlossen. Trotz 3 Einsprüchen auf regionaler und nationaler Ebene sowie vor Gericht sind Sie auch 29 Jahre später noch von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Dafür gibt es sehr gute Gründe. […]
Ich habe mich bei Christian Entsfellner DL3MBG, dem derzeitigen Vorsitzenden des DARC, über Ihre Forderungen beschwert, gegen meine Arbeit und die von Dr. Robert Westphal (DJ4FF) offiziell auf der DARC-Website zu MH370 und WSPRnet zu protestieren.
Ihr Papier ist schlichtweg falsch und Ihre Argumente sind unangebracht.
Ich schlage vor, Sie gehen woanders hin, denn ich bin sicher, dass es andere MH370-Websites gibt, die Leute wie Sie willkommen heißen. Und Tschüss!

Also: keine inhaltliche Diskussion, sondern eine denunziatorische Mail an “Christian Entsfellner, DL3MBG, den derzeitigen Vorsitzenden des DARC”. Da Entsfellner das Produkmanagement eines Unternehmens verantwortet, das mit HF-Technik handelt, dachte ich, er werde beide Ansichten fachlich prüfen und natürlich zur Erkenntnis gelangen, dass Godfreys Thesen technisch-wissenschaftlich nicht überzeugend sind. Ob jemand überhaupt Mails mit denuziatorischem Inhalt ernst nimmt, ist freilich eine Charakterfrage – wie jene, solche Mails zu schreiben.

Allerdings lief alles so, wie Godfrey es sich gedacht haben mag: von Stil und Inhalt her hatte er genau ins Schwarze getroffen! Denn daraufhin veröffentlichte der DARC eine Presseinformation, in der er die Godfrey’schen Schwurbeleien in den Himmel hob. Verantwortlich dafür: das “Presseteam“* des “Bundesverbandes”, dem man dafür den “Aluhut mit Raute” verleihen sollte.

Warum sich die Vereinsfunker nicht kundig machten, wenn sie schon nicht selbst die Sachkenntnis gehabt haben sollten, ist mir ebenso ein Rätsel wie die Frage, warum sie zwar Godfrey in die Sache einbanden, nicht jedoch K1JT, wozu eine E-Mail an den Preisträger ihres Vereins gereicht hätte!

[Das heißt: So groß ist das Rätsel wiederum auch nicht. Und hätte ich eine Versuchsanordnung mit unfehlbar diesem Ausgang designen müssen – exakt diese wär ‘s gewesen!
Du glaubst es nicht? Hier der Beweis: Am 8.12.21 schrieb ich in Godfreys Blog dazu:
“Ganz ohne Zweifel wird Ihr ‘Protest’ (nicht: irgendwelche Argumente) bei DARC-Präsident Christian Entsfellner, DL3MBG, auf fruchtbaren Boden fallen. Er wird sich Ihre Meinung zu eigen machen. Denn, so vermute ich, er wird sich nicht von den technisch-wissenschaftlichen Argumente leiten lassen. Sie scheinen die gleiche Voreingenommenheit zu teilen.”
Und: Horch, Glöckchen! Am 9.12.21 gab der DARCs eine diesbezügliche ‘Presseinformation’ raus.
Siehste, ist doch gar nicht so schwierig, den DARC zu einer Pawlow’schen Reaktion zu bewegen!]

Auch wenn es zwecklos ist, Scharlatanerien mit sachlichen Argumenten zu begegnen, hatte daraufhin der US-amerikanische Physiker Dr. Victor Ianello sich bei K1JT zu dessen Meinung zum Thema “WSPR und MH370” erkundigt. Die Antwort des Nobelpreisträgers fiel zum wiederholten Male eindeutig aus:

“Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe, ist es verrückt zu glauben, dass historische WSPR-Daten dazu verwendet werden könnten, den Kurs des verunglückten Fluges MH370 zu verfolgen. Oder, was das betrifft, jeden anderen Flugzeugflug… Ich verschwende meine Zeit nicht damit, mit Pseudowissenschaftlern zu streiten, die nicht verstehen, was sie tun.”

Prof. Joe Taylor, K1JT

Verrückt” und “Pseudowissenschaftler, die nicht verstehen, was sie tun” – das ist deutlich genug. Aber auch die Konsequenz, sich mit solchen Leuten erst gar nicht zu beschäftigen. Sollen sie weiterhin unter ihresgleichen auf Dummenfang gehen.

Der DARC, mit unten zitiertem Anschreiben davon in Kenntnis gesetzt mit der Bitte, diesen dem technisch-wissenschaftlichen Image des Amateurfunks schädlichen Scharlatanerien keinen Raum zu geben, reagierte bislang nicht. Das Anschreiben:

Guten Tag – nachdem ja einiges Wunschdenken zum Thema “WSPR und Flug MH370” die Publikums- wie Fachmedien beherrschte und auch der DARC mit einer Pressemeldung Partei für diese Scharlatanerien ergriff, hat nun Nobelpreisträger Prof. Taylor selbst diesem “verrückten Glauben” eine deutliche Absage erteilt.
Ich meine, dass ein weiteres Festhalten an diesem Wunschdenken das technisch-wissenschaftliche Image des Amateurfunks untergräbt. Irren und erst recht Wunschdenken ist menschlich. Aber man sollte sich, wenn schon nicht durch technisch-wissenschaftliche Argumente, so doch durch das Machtwort eines Horkheimer- und Nobelpreisträgers (was immer davon die härtere Münze im DARC sein mag) überzeugen lassen.
Vielleicht ist ja im nächste Deutschland-Rundspruch Platz für folgende Meldung, deren Inhalt auch gerne für eine erneute Pressemitteilung des DARC zu diesem Thema genutzt werden mag.

Godfrey aber kann sich gratulieren: er wusste genau die richtigen Fäden zu ziehen, um dem DARC-Vorsitzenden, dessen Verein sich trotz vielfacher Aufforderung nicht gegen Denunziation als Mittel der Diskussion im Amateurfunk ausgesprochen hat, seine schrägen Thesen schmackhaft zu machen. Christian Entsfellner wiederum hätte diese technisch und unvoreingenommen überprüfen können und müssen, das “Presseteam“* ebenfalls. Wer es nicht kann, ziehe Experten hinzu.

Dass in der technisch-wissenschaftlichen Community der Amateurfunk immer weiter zur Lachnummer verkommt, ist insofern nicht verwunderlich, sondern mit Fleiß selbstgestrickt.

Zwei nur halbwegs ernstgemeinte Prognosen, nun: zum einen wird Richard Godfrey Ehrenmitglied des DARC e.V. (mit vollem Recht, denn er hat mit den dafür goldrichtigen Methoden dem Ansehen des Amateurfunks einen schweren Schlag versetzt), zum anderen wird man die Black Box von MH370 an der prognostizierten Stelle finden – was dann aber auch ganz & gar nichts mit WSPR zu tun haben wird. Und die “Pseudowissenschaftler” werden jubelnd ihre Aluhüte in die Luft werfen.

* Wenn auch technisch-wissenschaftliche Themen nicht so ganz die Kragenweite des “Presseteams” sein mögen, so leistet es doch geradezu Herausragendes bei der “Anpassung von Vorstandshemden”:
In einem kürzlichen “Mitgliedertreff” äußerte sich ein Vorstandsmitglied des DARC ganz begeistert darüber, wie er “vor Steffi strammstehen durfte” (gemeint ist Dipl.-Soz. Stephanie “Steffi” Heine, DO7PR, stellv. Geschäftsführerin des DARC e.V. und offenbar leitende Presseverantwortliche), um sich ein “Vorstandshemd” anpassen zu lassen. Der DARC-Vorständler war darob ganz hin und weg: “Top und schick … mit Stickereien!” Worauf besagte “Steffi” flötete: “Das machen wir doch gerne!”
Man glaubt es unbesehen. Und dass es dafür dann beim “Bundesverband” mit technisch-wissenschaftlichen Themen gelegentlich ein wenig hakt, wollen wir gerne nachsehen: Das “Vorstandshemd” sitzt halt näher als der Rock.

In solchen Händen sind die technisch-wissenschaftlichen und die ethisch-charakterlichen Grundlagen des Amateurfunks ebenso vorzüglich aufgehoben, wie genau diese Eigenschaften für viel Geld in alle Welt geblasen werden!

Wer das nicht noch weiter mit seinem Geld unterstützen möchte, sondern wer für ein seriöses technisch-wissenschaftliches Hobby eintritt, das vom Ham Spirit getragen wird, sollte, falls er wirklich noch Mitglied im DARC ist, aus diesem austreten. Noch heute.

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