DARC: Wie es im Kopfe aussieht …

Wer wissen will, was Funktionäre des Deutschen Amateur Radio-Clubs e.V., DARC, tatsächlich bewegt, der schaue, außer auf den Spesenetat und die Ausgaben allein für Geschenke (7.988,12 Euro in 2020) , auch mal auf jenen Vorschlag, den Roland Becker, DK4RC, DARC-Distriktsvorsitzender Thüringen (X) und federführendes Mitglied des Satzungsausschusses, der Mitgliederversammlung des “Bundesverbandes” für den 13./14. November 2021 unterbreitet. Schnallt euch an für diesen rupplig-geistigen Tiefflug, sogar noch unter dem Radar des sonst DARC-üblichen Ham Spirit hindurch; haltet die Kotztüten parat!

Denn ganz ausführlich beschäftigt sich dieser Spitzenfunktionär darin nicht etwa damit, wie man den Amateurfunk nach vorne bringt und Mitglieder gewinnt, sondern damit, wie man sie rausschmeißt. Man muss diesen herzerfrischenden Vorschlag im Original lesen, sonst fasst man es nicht (halbfette Betonungen von mir):

Der Ausschluss eines Mitgliedes kommt insbesondere dann in Betracht, wenn ein Mitglied sich unrechtmäßig oder unzumutbar gegenüber dem Club, seinen Organen, Referenten, Mitarbeitern oder Mitgliedern verhält oder sonst sein Verhalten einen unmittelbaren Ausschluss rechtfertigt, z.B. insbesondere wegen Störung des Vereinsfriedens, Schädigung des Ansehens des Clubs gegenüber Vereinsmitgliedern oder der Öffentlichkeit sowie insbesondere wegen Missachtung der Anweisungen oder Beschlüsse eines Vorstandes oder der Mitgliederversammlungen, Aufforderung zur Missachtung von Vorstandsbeschlüssen oder der Satzung, Verletzung der Leitlinien des Clubs, usw.

Schon bisher aber war es so: Der DARC konnte unbescholtene Funkamateure nach Belieben diffamieren und rausschmeißen. Die “Vorwürfe” mussten nicht der Wahrheit entsprechen (Mehrheit reicht), noch musste irgendwo nachgewiesen werden, dass auch nur einer dieser Vorwürfe in der Realität Substanz nach Ursache und Wirkung hin hätte, außer eben in der Parallelwelt blühender Funktionärsphantasie.

Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht, zum Schaden des Vereins, des Amateurfunks insgesamt und dessen Ansehen in der Öffentlichkeit. Manches Ehrenmitglied, das Mitglieder-mäßig wie vom Ham Spirit her den DARC volle Kraft bergab führte, kann davon ein gar munter’ Lied pfeifen. So, wie es ebenfalls auf die Zukunftsfähigkeit des Vereins pfiff.

Wenn also die Satzung schon vorher Rausschmisse nach Nasenfaktor und Gutsherrenart erlaubte, warum jetzt eine im deutschen Vereinswesen wohl einmalige Verschärfung der Satzung?

Warum diese weitere Einschränkung grundgesetzlich garantierter Meinungsfreiheit unter dem Dach des sich so demokratisch gebärdenden DARC, dessen Vorstandsmitglieder samt & sonders sich “Transparenz” auf die Fahne schrieben? Denn:

Vertrauen durch transparentes, gerechtes und demokratische Handeln” ist für den stellvertretenden Vorsitzenden des DARC, Werner Bauer, DL2ET die Basis seiner Tätigkeit. Für Mit-Vorständler Ronny Jerky, DG2RON, bilden “Offenheit und Transparenz” die Grundlage, desgleichen, wortwörtlich für Vorstandsmitglied Erich Steinhauser, DL3GBE.

Warum aber soll sich nun ein Mitglied Anweisungen des Vorstandes (“Hol’ mir mal ne Flasche Bier!”) unterstellen, um nicht rauszufliegen? Was ist das überhaupt, vereinsrechtlich: eine Anweisung? Und warum dieser Zirkelschluss, nach dem jemand rausfliegt, dessen Verhalten seinen Rausschmiss rechtfertigt? Geht’s noch?

Es geht ja nicht etwa darum, jemanden rauszuwerfen, der die “Leitlinien des Clubs” dadurch verletzte, indem er beispielsweise Menschen bei Behörden und Arbeitgebern denunziert sowie mit antisemitischen Mordaufrufen belegt. Denn von diesem offensichtlich gerne gesehenen, zumindest aber trotz vielfacher Anregung keinesfalls sanktionierten Instrument des Miteinander im Amateurfunk (Ham Spirit) hat sich bislang kein einziger DARC-Funktionär ausgesprochen. Auch von DK4RC war diesbezüglich nichts zu hören.

Wenn schon die bestehende Satzung ausreicht, Unbescholtene rauszuschmeißen und man nichts gegen Denunzianten & Co. zu unternehmen bereit ist (offenbar, weil diese eben gerade nicht gegen die “Leitlinien des Clubs” verstoßen, sondern nur gegen die guten Sitten, diese freilich außerhalb des “Bundesverbandes”), warum dieser Zwergenaufstand? Warum diese Wut, dieser Hass eben auch gegenüber Leuten, die den Amateurfunk nach vorne bringen wollen?

Fragen über Fragen. Es ist ein Rätsel.

Nur eins ist keins: Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

P.S. am 9. November: Ergänzt sei noch, dass ich beim Vorstand des DARC angeregt habe, auf Roland Becker, DK4RC, DARC-Distriktsvorsitzender Thüringen (X) und federführendes Mitglied des Satzungsausschusses, dahingehend einzuwirken, dass der seinen Antrag noch vor der Abstimmung zurückziehen möge. Ebenfalls habe ich zum vielfach erneuten Male angeregt, doch stattdessen einen Beschluss zu fassen, der Denunziation bei Arbeitgebern und Behörden sowie antisemitische Mordaufrufe wie “Jagt ihn durch den Schornstein!” als Mittel der Auseinandersetzung im Amateurfunk für unvereinbar mit der Mitgliedschaft des DARC erklärt und die entsprechenden Konsequenzen zieht.
[Selbst die Salonnazis von der AfD, die ja im schönen Thüringen bei der letzten Wahl die stärkste Kraft stellten, distanziert sich ja von diesen Dingen, sogar von Antisemitismus. Auch bietet ihre Satzung Anregungen für ein vergleichsweise demokratisch-vernünftiges Verfahren, sich von Mitgliedern zu trennen.]

P.P.S. 10. November: Die Mitgliederversammlung wurde abgesagt. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber die aktuellen Zahlen haben uns keine andere Wahl gelassen“, teilt Christian Entsfellner, DL3MBG, treuherzig mit. Wie wiederum die Profi-PR-Journalisten des DARC diese blühende Funktionärsphantasie offenbar ungeprüft weitergeben. Ein Faktencheck hingegen ergibt folgendes:

Selbstverständlich erlauben die Coronaregeln des Landes Hessen (Stand 11.11.2021) Veranstaltungen mit bis zu 5.000 Teilnehmern mit 3G+-Pflicht – also, geimpft, genesen oder PCR-getestet. Selbst wenn die Mitgliederversammlung über 5.000 Mitglieder besuchen wollten – was es wohl nur dann werden, wenn auch denen, wie den Funktionären, Reise, Essen, Getränke und Hotelaufenthalt aus der Vereinskasse bezahlt werden würden -, so geht auch das: es ist nur eine Genehmigung des Gesundheitsamtes notwendig.
Wer behauptet, dass eine Versammlung von sogar mehr als 5.000 Leuten in Hessen “pandemiebedingt” nicht möglich sei, der lügt. Wie gedruckt. Und wer dieses Geschwurbel ungeprüft als PR-Profi weiterverbreitet, der hat seine Beratungspflicht gegenüber seinem zahlenden Auftraggeber verletzt. Läßt letzterer sich dennoch nicht überzeugen, so ist man da falsch am Platz.
Nehmen wir aber mal an, die Realität des 1. Vorsitzenden des DARC würde sich tatsächlich auch in der uns allen durch Verordnungen des Landes Hessen zugänglichen Wirklichkeit wiederfinden – was ja nicht der Fall ist -, so gäbe es als Alternative ja eine elektronische Veranstaltung. Etwa mit jenem durchaus potentiell potenten System, das der “Bundesverband” ja angeblich einsetzt. Jedenfalls hat er das ja beinahe berstend vor Stolz verkündet. Das aber hätte ebenfalls Beteiligung und Fragen der zahlenden Mitglieder ermöglicht.
Genau diese aber scheint man nicht gewollt zu haben und deshalb einerseits die Pandemie vorgeschoben und andererseits die Möglichkeiten der Telekommunikation vegessen. Obwohl, eigentlich ja nicht vergessen. Denn wie staunt doch der Vorsitzende eines Vereins, in dessen Mittelpunkt die technische Kommunikation steht, Bauklötzer: “Das zeigt, dass wir auch aus der Ferne und mittels moderner Kommunikation handlungsfähig sind und bleiben.”
Genau das aber eben nicht, wie ich mal aus der Ferne diagnostizieren darf. Denn der Kern eines demokratisch verfassten Vereins ist die Beteiligung seiner Mitglieder, die der Vorstand durch seine Entscheidung willentlich und eben ohne Notwendigkeit ausgehebelt hat: “Vertrauen (bewirken) durch transparentes, gerechtes und demokratische Handeln” – wie der stellvertretende Vorsitzende ganz richtig sagte und somit genau das Gegenteil tut. Dem 1. Vorsitzenden scheint es ohnehin nur um einen “Austausch in großer Runde” zu gehen, zu dem man sich “gerne mal wieder getroffen” hätte. Doch die MV ist kein spesenbefeuerter bierseliger Treff zum Austausch von Döntjes, sondern der demokratische Kern eines eingetragenen Vereins.
Immerhin kam man so darum herum – und das scheint mir der Hauptbeweggrund der Absage zu sein -, den peinlichen o.g. vereinsschädigenden Rausschmeißer-Vorschlag von Roland Becker, DK4RC, DARC-Distriktsvorsitzender Thüringen (X) und federführendes Mitglied des Satzungsausschusses, in aller Öffentlichkeit zu beerdigen. Der Antrag hatte, nicht zuletzt aufgrund meiner Veröffentlichung, ja ohnehin schon für einige Aufregung selbst unter DARC-Funktionären gesorgt. Und man entgeht peinlichen Fragen, was mit dem Geld der Mitglieder denn so passiert ist – von der Inbetriebnahme des seit fünf Jahren bezahlten “SDR-Netzes unseres Vereins, mit dem er seine Innovationskraft …” (nix wesentliches für die 25.000 Euro) bis hin zu den angeblich über 150.000 Euro für eine offensichtlich derart unnötige Buchübersetzung (Rothammel), dessen Ergebnis daher nicht einmal bei den wesentlichen Vetriebsunternehmen wie Amazon, der ARRL oder der RSGB greifbar ist. Auch die neueste Auflage des so vollmundig angekündigten “Zukunftsplanes” steht ja noch aus. Was eher unwichtig ist, denn das waren schon in der Vergangenheit immer nur zynische Sonntagsreden ohne jede Substanz.
Unfähigkeit bei gleichzeitiger Hybris ist man vom “Bundesverband” ja ebenso gewohnt wie die Missachtung des Ham Spirit. Aber das, was nun geboten wurde, hat denn doch eine neue Qualität der Verachtung von Mitgliedern und der Amateurfunköffentlichkeit insgesamt.

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