Raus aus dem DARC! Es ist eine Frage des Anstands!

Ham Spirit – aber manche scheißen drauf. Doch der Mehrheit der Funkamateure stinkt das zunehmend.
[Misericordia von Jörg Syrlin d.Ä., Ulmer Münster, um 1470. (c) 2014: Nils Schiffhauer]

Der Deutsche Amateur-Radio-Club e.V. (DARC) ist der größte Verein für Funkamateure in Deutschland. Vor und hinter den Kulissen sind einige seiner Funktionäre seit Jahrzehnten nicht zimperlich, mit allen Mitteln solche Funkamateure zu bekämpfen, die sich für einen fortschrittlichen Amateurfunk einsetzen. Zwar folgt der „Bundesverband“, wie er sich selbst nennt, dann in 90 von 100 Fällen irgendwann diesen „Abtrünnigen“. Aber der Hass der Funktionäre glüht weiter: Cancel Culture par excellence.

Wenn sie das alles doch wenigstens zum Wohle ihres Vereins unternähmen! Doch im Gegenteil: seit fast 30 Jahren verlieren sie kontinuierlich und massiv Mitglieder, und sie reihen einen teuren Skandal an den nächsten – worauf man sich ebenso verlassen kann wie auf das, was mancher für üble Nachreden zu halten geneigt sein könnte.

Unterstützt werden sie dabei von Anonymen und „Anonymen“, die die Drecksarbeit machen: Denunziationen bei Arbeitgebern und Behörden, Mordaufrufe und antisemitische Aufforderungen wie „Jagt ihn durch den Schornstein!“

Kein „Aufstand der Anständigen“

Dagegen hat sich trotz vielfacher Aufforderung bisher kein Vorstand, kein Amateurrat zu einem „Aufstand der Anständigen“ aufraffen können. Diese beredte Schweigen verstehen manche als Aufforderung (denn wie könnte man es auch anders verstehen?!), mit ihrem menschenverachtenden Tun munter fortzufahren. Dass sie daran nicht gehindert werden, fassen sie mit allem Recht als Ermutigung auf.

Denn: Wer schweigt, stimmt zu.
Und: Wer schweigt, macht sich zum Kumpanen.

Auch der im November 2019 mit hochfliegenden Reformplänen gestartete Vorstand tritt in die Fußstapfen solcher Ehrenmitglieder wie Dr. Horst Ellgering, DL9MH, und Steffen Schöppe, DL7ATE: Er weigert sich, diesem niederträchtigen Treiben Einhalt zu gebieten. Denn er weigert sich, ganz schlicht und einfach zu erklären:

  • „Für jene, die Mordaufrufe und Denunziationen als Mittel der Diskussion einsetzen, ist im DARC kein Platz!“

Und er weigert sich, diesem Satz umgehend Taten folgen zu lassen. Denn sonst wäre er ja ohne jede Wirksamkeit und würde eher als augenzwinkerndes Einverständnis betrachtet.

Bislang aber ist genau das: nicht passiert.

Das ist beschämend. Das ist unanständig. Das ist menschenverachtend.

Und genauso widerlich, wie die Beibehaltung von dem, was die Neonazis „Feindeslisten“ nennen.

Tretet aus – bis sich was ändert!

Gleichzeitig verlangt der DARC von jedem seiner Mitglieder Nibelungentreue noch zu seinen abwegigsten Vorstellungen. Sonst gibt ‘s Saures, sonst droht Rausschmiss. Mit Pauken und Trompeten. Und gelegentlich mit dem oben erwähnten Begleitkonzert.

Wer also als Mitglied des DARC nicht mit Mordaufrufen und Denunziationen einverstanden ist, wer einen offenen und fortschrittlichen Amateurfunk möchte und wer sich eine ebenso transparente wie effiziente Interessenvertretung wünscht, der hat bei diesem Stand der Dinge nur die Möglichkeit zu gehen. Und – ganz klar – dann wieder einzutreten, sobald sich etwas geändert haben sollte.

Übrigens: Schon jetzt werden “Kritiker” mit Amateurfunkgenehmigung seitens des DARC zu nur “sogenannten Funkamateuren” abqualifiziert, also zu Nicht-Funkamateuren. Wer so handelt, ist eine Schande für den Amateurfunk. Handelt er überdies so als Funktionär des DARC, sollte er eine Schande für diesen Verein sein [was er natürlich nicht ist, denn der gesamte Vorstand nickt einträcht-/-fältig dazu]. Und sollte der Verein, wie er anstrebt, in Zukunft tatsächlich über den Zugang zum Amateurfunk entscheiden, so wäre hinsichtlich des Zugangs zum Amateurfunk überhaupt der Willkür Tür und Tor geöffnet.

Daher:

Tretet aus dem DARC aus!
Nutzt diese „Abstimmung mit den Füßen“!
Nutzt sie umgehend: Es ist eine Frage des Anstandes!

Ergänzung (5. Mai 2021): Danke für die vielen zustimmenden und auch für die wenigen ablehnenden Reaktionen! Erstere wollen anonym bleiben, um nicht “der Rache der Funktionäre ausgesetzt zu werden”, wie einer schrieb; letztere posten ebenso feige wie anonym.
Manche fragen nach weiteren Hintergründen, die ich u.a. mit meiner Rede in Cottbus und meinem Interview in der Fachzeitschrift “Funktelegramm” geliefert habe – bitte dort nachlesen.
Das Kalkül der Handelnden ist so schlicht wie effizient: schon vor den Kulissen bewegen sie sich weit jenseits des Ham Spirit (etwa mit den unverhohlenen Drohungen eines ehemaligen DARC-Vorsitzenden und heutigen Ehrenmitgliedes in einem seiner ekelerregend-demagogischen “Offenen Briefe”), hinter den Kulissen aber sorgt genau das für die augenscheinlich gewünschten verrohten Reaktionen, wie sie dann vom Strafrecht erfasst werden – “An den Eiern aufhängen”, ist da nur eine dieser weitverbreiteten Aufforderungen, gegen die sich bislang kein DARC-Funktionär stellen mochte.
“Entgegenarbeiten” (Ian Kershaw) nennt sich dieses Konzept, das auf offensichtlich kalkulierte Scheinheiligkeit der Führung baut, den somit selbstorganisierenden Hass der Speichellecker vollkommen unwidersprochen in ihren Dienst zu stellen und durch Nicht-Sanktionierung allem Anschein nach zu billigen. Feixend und auf fetten Spesenbergen hockend, waschen die zumindest mittelbaren Verursacher dieser kriminellen Auswüchse des Vereinsfunks ihre Hände in Unschuld, während sie nützliche Idioten mit keinem Wort daran hindern, sich strafbar zu machen. Bis heute.

P.S. Weil obiges “bis heute” bei diesem oder jenem auf Skepsis stieß, hatte ich Mitte Juli nochmals bei jedem Mitglied des DARC-Vorstandes und jedem Mitglied des DARC-Amateurrates angeregt,

“dass man … etwa Denunziationen bei Arbeitgebern und Behörden als Mittel der Auseinandersetzung über die beste Zukunft des Amateurfunks ebenso für unvereinbar mit einer Mitgliedschaft im DARC erklärt, wie die implizite Billigung von Mordaufrufen in diesem Zusammenhang. Und es nicht nur bei dieser Erklärung belässt, sondern dieser auch Taten folgen lässt.

Bis heute (2.9.) hat sich jedoch kein einziger dieser DARC-Funktionäre von dieser Vorgehensweise distanziert. Weder hinter vorgehaltener Hand (wie etwa: “Ganz im Vertrauen: ich bin ja privat auch gegen Denunziationen und so – aber das etwa öffentlich sagen?!”), noch und schon gar nicht öffentlich. Somit entsteht der Eindruck, als ob der DARC dieses Instrument der Disziplinierung weiterhin nicht aus der Hand geben möchte.

Will man, so lange sich das nicht geändert hat, wirklich Mitglied in einem solchen Verein sein?

3 comments

  • Moin Nils,

    ich muss mal kurz etwas ausholen (oh je): Bei der Nutzung des WWW zur Recherche irgendwelcher Radiothemen ist mir irgendwann mal so nebenbei aufgefallen, daß es eine oft nicht näher benannte Kontroverse um den Namen Nils Schiffhauer zu geben schien, um die in manchen Forenbeiträgen komisch herumgedruckst wurde. Der Mann schien wegen irgendwas in Ungnade gefallen zu sein, das ich aber nicht verstand oder direkt wieder vergessen hatte weil ich ja in irgend einer technischen Angelegenheit das Netz durchforstete und nicht wegen Rosenkriegen im Amateurfunk oder sowas.

    Warum ich das erwähne: Jetzt (also seit buchstäblich eben gerade) wo ich anfange zu ahnen worum es dabei eigentlich ging wird mir recht plötzlich klar warum ich beim Überfliegen irgendwelcher irrelevanten Beiträge irgendwie den Eindruck bekam daß die Wissensreferenz mener SWL-Jugend beim Verzehr von Hundewelpen erwischt worden wäre: Aha – ein “Nestbeschmutzer” also.

    Davon unabhängig habe ich gelegentlich meine eigenen kurzen Recherchen zu der Frage “Was ist ein DARC und wozu ist der eigentlich gut” angestellt, vor allem wenn ich mal wieder wissen wollte wie es dazu kommen konnte daß ich als recht ambitionierter SWL jedesmal einige Kilometer fahren muß, damit meine Ambitionen nicht in erheblichen Pegeln von an sich vermeidbarem RFI-Schrott ersaufen. Mit zunehmender Tendenz in Kilometern und Pegeln.

    Ich habe nicht besonders intensiv recherchiert weil ich mich nicht zu sehr ärgern wollte aber auf der Suche nach aktiven Beiträgen des Vereins im Themenbereich PLC/VDSL/Breitbandstörungen aller Art sind mir lediglich ein paar in offensichtlicher Privatinitiative erstellte Petitionen von (möglicherweise) Mitgliedern aufgefallen. Die wurden zwar zur Unterstützung in der Sache auf den DARC-Seiten erwähnt, waren aber natürlich zum Scheitern verurteilt, auch weil sie ziemlich schlecht und etwas an der Sache vorbei formuliert waren.

    Nach Lektüre des Artikels weiter unten zum Thema “Ausgaben des Clubs” leuchtet mir schon mehr ein warum irgendwelche Dokumente, Abhandlungen, Erhebungen, Untersuchungen und Faktensammlungen zur Statusfeststellung (abgesehen vom zahnlosen Tiger “Bandwacht”) beim DARC so schwer zu finden sind wie Nachweise über aktive, politische Intervention zum Schutz des Mediums, das ja immerhin die Basis unseres gemeinsamen Hobbys und auch des Vereins ist. Dummerweise sind ja nicht alle damit zufrieden das innerdeutsche Stammtischgeschwätz mit QRO sicherzustellen und haben gänzlich andere Vorstellungen vom Amateurfunk, die auf schwer von Tunnelblick geprägter Vereins- oder gar OV-Ebene eine vergleichsweise geringe Bedeutung genießen. Vor allem wenn sich im Vorstand scheinbar ein Clan festgesetzt hat, der die geschaffenen Strukturen hauptsächlich zum persönlichen Unterhalt verwendet und keine Entwicklungsambitionen hat.

    Also – alles doof, der Verein hat Schuld, treten wir halt aus, oder gar nicht erst ein wie in meinem Fall (wozu auch, bin ja “[S]till [W]ithout [L]icense” und werde dort höchstens genötigt ein “richtiger Funkamateur” zu werden). Da gibt es nur ein Problem – “Abstimmung mit den Füßen” um den Verein zur strukturellen Veränderung zu zwingen kann möglicherweise gar nichts bewirken: Der beklagte Clan kann wahrscheinlich darauf bauen die Sache für den überschaubaren Rest des Lebens einfach auszusitzen ohne persönlich große Abstriche machen zu müssen und wenn diese Leute tatsächlich so gestrickt sind wie sie dargestellt werden, dann werden die genau das tun.

    Die 27.000 Austritte haben wahrscheinlich viel mit Unzufriedenheit und Protest zu tun, ein nicht unerheblicher Teil aber wahrscheinlich auch mit Desinteresse, dem allgemeinen Trend zum Einzelkämpferdasein, Politkverdrossenheit und der sinkenden Bereitschaft sich kostenlos einer Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Wenn die Annahme richtig ist daß diese Schwächung der Organisationsbasis ohnehin keine Auswirkungen auf den Status der Funktionäre hat, dann bleibt nur noch eine Schwächung der Organisation übrig – analog zum “Nichtwähler”. Bei aller Sympathie für die Motivation – unter diesem Aspekt erscheint mir ein Aufruf zum Austritt erst mal ein bischen gewagt: Müßte es nicht vielmehr ein Aufruf zum Eintritt sein, damit mehr Kräfte sich auf Basis des Vereinsrechts (?) für eine Veränderung einsetzen können?

    Das war natürlich eine hauptsächlich rhetorische Frage. Ärger mit dem Vorstand ist schon in kleinen Vereinen ein ziemlicher K(r)ampf und ich kann mir nach zweiminütiger Beschäftigung mit der Struktur des DARC vorstellen, daß die tiefe Hierarchie des DARC solche “Zwergenaufstände” ziemlich aussichtslos macht. Da bleibt womöglich nur “Austreten” übrig wenn man sonst noch ein richtiges Leben hat. Die andere Alternative wäre die Gründung einer alternativen Organisation, die aber ebenfalls darauf angewiesen wäre daß irgendwer einen Sch…. darauf gibt den Amateurfunk besser zu organisieren und es schaft Leute zum Eintritt zu bewegen.

    So viel Lebenszeit wie man dafür braucht bleibt vielen von uns ja auch nicht mehr und nachfolgende Generatioen können das weiterhin steigende QRM dann vielleicht schon als überall verfügbare Stromquelle für ihre Endgeräte nutzen, auf denen man ja auch schon lange so eine Art “Amateurfunk” ausübt.

    • … danke, und der zentrale Punkt also ist: von Innen aus ändern, oder durch Austritt austrocknen. Folgt man ersterem, so unterliegt man einem Zirkelschluss – denn wer schon nur mit potentieller Wirksamkeit etwas ändern will, fliegt ja aus diesem “Clan”, wie Du ihn nicht ganz zu Unrecht nennst. Und zieht man historische Parallelen zu Rate, so hat das mit dem “Verändern durch Mitmachen” eher nicht funktioniert. Übrigens in den letzten 28 Jahren auch beim DARC nicht.
      Deshalb nun, nach eben fast einer Generation, erstmals mein Aufruf zum Austritt.
      Soweit die taktisch-strategische Frage.
      Es gibt aber auch noch eine ethisch-moralische Position.
      Denn wer weiter in diesem Verein bleibt, stimmt implizit so antisemitisch grundierten Mordaufforderungen wie: “Jagt ihn durch den Schornstein!” ja ebenfalls mit zu – der DARC-Vorstand als Taktgeber der Vereinspolitik distanziert ja eben nicht davon.
      Kann man so machen. Zustimmen durch Mitgliedschaft. Dass dem zwingend so ist – da kennt die Vereinssatzung kein Pardon.
      Fragt sich aber, ob man das will.
      Somit gleich zwei gute Gründe, aus dem DARC auszutreten. Und wieder einzutreten, wenn ihn die Folgen zwingen (auf Einsicht ist kaum noch zu rechnen), den Kurs zu überdenken.
      Ist ja nur ein Vorschlag, nach 28 Jahren. Ein Experiment. Nachdem der erste Versuch – Evolution von Innen heraus – nicht recht klappte.
      Weiterhin viel Freude beim HF-Hobby!

  • War nie im DARC und werde da auch niemals eintreten, höchstens wenn dieser ganze Mief und Mehltau dann eines Tages in weiter Zukunft mal weg sein sollte; aber wahrscheinlich wird es dann so etwas wie Amaterufunk eh nicht mehr geben…
    gez. DJ8PA, Daniel

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s