Prösterchen: DARC-Funktionäre lassen ‘s krachen!

Prioritäten setzen: 2019 erhielt das “Referat HF-Technik” des DARC gerade mal drei Prozent jener Summe, mit der sich die DARC-Funktionäre für ihr Essen & Trinken von den Mitgliedern aushalten ließen – wohl bekomm ‘s!

Seit ich als junger Mensch in den Deutschen Amateur Radio-Club e.v. (DARC) eintrat, höre ich dieselbe Melodie: “Der Altersdurchschnitt unseres Vereins ist zu hoch! Wir müssen zudem mehr Technik machen!” Diese Sprüche haben selbst meinen Rausschmiss im Jahre 1992 überlebt – und doch hat sich geradezu dramatisches getan! Nein, nicht in Sachen Senioren-Überhang, auch nicht in Sachen Technik-Präferenz. Sondern im weiteren Niedergang von rund 60.000 Mitgliedern kurz vor meinem Rausschmiss bis Anfang 2021, wo es noch gerade mal 32.808 Mitglieder sind.

1.000 Mitglieder weniger je Jahr

Im Zusammenhang mit meinem Rausschmiss hatte ich die Funktionäre gewarnt, dass wegen dieser ausgepichten Art des Ham Spirit sicherlich ein paar Mitglieder den Verein verlassen würden. “Wie viele, meinst Du denn”, fragte jemand höhnisch zurück. Darauf ich: “So um die 1.000 Leute, etwa!”, und, in sein darob berstendes Lachen hinein: “Nicht insgesamt, sondern Jahr für Jahr 1.000 Leute.” Die Herren Funktionäre lachten Tränen. Nun, nach 27 Jahren, hat der DARC gut 27.000 Mitglieder weniger als zu jenem Zeitpunkt. Wer einen Dreisatz beherrscht, kann sich ausrechnen, dass meine Einschätzung halbwegs realistisch war – und die Funktionäre ihre Hanswurstereien betrieben.

Soweit, so schlecht. Aber feiern, das verstehen die Herren (und wenigen Damen) DARC-Funktionäre vorzüglich: knapp 57.000 Euro gaben sie für Essen & Trinken allein im Jahre 2019 aus: Prösterchen! Und die Jugend? Bei einem Beitrag von 31,20 Euro im selben Jahre für unter 18-Jährige mussten über 1.800 dieser Jugendlichen ihre kompletten DARC-Mitgliedsbeiträge aufwenden, um den Appetit & Durst der Funktionäre angemessen zu stillen.

Referat HF-Technik: drei Prozent der Bewirtungskosten

Aber – Technik genießt doch bei unserem technisch-wissenschaftlichen Hobby den Vorrang vor allem anderen? Follow the money: 1.842,30 Euro erhielt das “Referat HF-Technik” – die Herzkammer des Vereins – für ihre Tätigkeit. Dem Taschengeldempfänger oder dem Kleinrentner mag das angängig dünken. Doch es sind nur drei Prozent der sogenannten “Bewirtungskosten”!

Das aber ist noch lange nicht das Ende der Wohltaten. Denn für genau 10.740,63 Euro machte man “Geschenke”. Vermutlich mehr unter seinesgleichen, als dass man Jugendliche damit beglückte.

Aber die Reiselust, die ist doch bei einem Verein, in dessen Zentrum die technisch-schwere-, wie kostenlose Kommunikation steht, kein Thema, oder? Nicht ganz. Denn wiederum im Jahre 2019 finanzierten die Mitglieder 200.744,18 Euro an Reisekosten für ihre Funktionäre: “Lebe wohl, gute Reise” (Comedian Harmonists, 1934). Bei der Rechnungslegung für 2020 wird man hoffentlich sehen, welcher Anteil davon überflüssig war.

Die Kosten der vielen sind Einnahmen weniger

Doch des einen Kosten, sind des anderen Einnahmen. Seit dem Jahre 1340, als man den schönen Buchungssatz “Soll an Haben”, wohl in Genua, erfand. Nein, hier soll nicht die Rede von den angeblich rund 150.000 Euro sein, die ein Vereinskamerad ohne jede Ausschreibung für die Übersetzung eines Buches erhalten haben soll, das man seitdem vor praktisch aller Welt versteckt und das nach DARC-eigenen Maßstäben mit gerade mal rund 10 Prozent dieser Summe entlohnt worden wäre. (Dieser Fall dürfte im gesamten deutschen Verlagswesen einmalig sein. Jeder Verlagsgeschäftsführer wäre fristlos geflogen, hier aber scheint der damalige 1. DARC-Vorsitzende die Sache abgesegnet zu haben – anders ist es nicht denkbar.)

Aber bleiben wir weiter bei den Einnahmen, die ja die Kosten der Mitglieder sind. Für Rechts- und Beratungskosten kassierten Rechtsanwälte und Berater 85,475,77 Euro im Jahre 2019, wozu sich noch 5.422,99 Euro “Rechtskosten” addierten. Wie man inzwischen weiß, ist dieses Geld auch dafür ausgegeben worden, um unbotmäßige Mitglieder mit kostenträchtigen Schreiben zu zwiebeln. Von rechtlichen Durchbrüchen bei Antennengenehmigungen oder in Sachen EMV hat man hingegen nichts gehört.

Notfunk in Not

Und wie steht es um den Notfunk, der neben Jugendarbeit und Technik als heilige Dreifaltigkeit immer dann ins Schaufenster gestellt wird, wenn man die gesellschaftliche Wichtigkeit des Amateurfunks darstellen will? Macht keine 1,6 Prozent dessen, was der DARC für Rechtshändel & Co. ausgibt.

Dick loben aber wollen wir doch die 27,20 Euro, die der DARC 2019 für das UKW-Funksport-Referat springen ließ (also nicht einmal das Trinkgeld in einem Sterne-Schuppen). Denn Funksport ist ja auch wichtig! Gegenüber den Ausgaben für das, was die Funktionäre “Referat Handicap Hams” nennen, erscheint das absolut top generös – denn der Etat, mit dem der DARC unser Hobby für Menschen mit Beeinträchtigungen fördert, liegt bei exakt 0,00 Euro. “Gemeinnützigkeit” will halt verdient werden.

Nur kein Neid!

Zur Klarstellung: Ich esse, trinke und reise selbst ebenso gerne wie gut. Allerdings, Essen & Trinken, auch in der Drei-Sterne-Gastronomie, als Alleinzahler. Zu Neid besteht bei mir kein Anlass, in das DARC-eigene “Hotel Stadt Baunatal”, allerdings hat mich selbst meine sonst unstillbare Neugier noch nicht geführt. Aufmerksam machen wollte ich hier lediglich auf etwas, was man als Missverhältnis zwischen Reden und Tun auffassen kann, zwischen Dampfplauderei und den harten Fakten einer Bilanz. Damit sich was ändert. Am besten, zum besseren.

Wer die Verantwortung trägt

Die Bilanz, übrigens, sollten die Rechnungsprüfer (Kosten “Rechnungsprüfungsausschuss”: 1.016,62 Euro) nicht nur dahingehend prüfen, ob 1 und 1 richtig zusammengezählt sind, sondern auch, ob das Geld entsprechend des Vereinszwecks ausgegeben wird. Und der lautet beim DARC immer noch nicht: Essen Trinken, Reisen. Nicht zuletzt hat der Amateurrat es in der Hand, dem Finanzgebaren (von dem er allerdings unmittelbar ebenso wie mittelbar profitiert) zuzustimmen oder zu widersprechen. Und? Angenommen bei 67 Ja-Stimmen, keiner Gegenstimme sowie zwei Enthaltungen. Wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert, wie es erstmals 1955 hieß – wir sprachen ja über das Thema “Überalterung”. Vielleicht gar einen “Asbach Goethe” – ein Rollgriff ins Spesenkonto würde das lässig hergeben.

5 comments

  • Was ist nur aus den neuen mit vielen Ideen angetretenen Vorstandsmitgliedern geworden? Zermürbt im Vereinsalltag? Ich habe 2017 den DARC verlassen und sehe aktuell keinen Grund dies zu überdenken. DH1TS

  • Hallo, Thomas – bislang sind viele neue Vorstände ja oft mit nach außen kommuniziertem Schwung & Änderungsvorhaben angetreten. Doch bislang alle versäumten es, eine klare Lagebeurteilung vorzunehmen und daraus ebenso klare Konsequenzen zu ziehen. Schon nach wenigen Wochen erlahmte dieser Schwung in den “Mühen der Ebenen” oder er versank in den Annehmlichkeiten des Funktionärslebens – wozu “Macht” ebenso zählt wie ein prall gefülltes Spesenkonto. Das alles ist beinahe tragisch, denn es bedürfte nur weniger – allerdings: entscheidender und entschiedener – Schritte, um den DARC und damit auch den Amateurfunk zukunftsfest zu machen. Personelle Ressourcen und Geld sind in Baunatal im Übermaß vorhanden – man muss sie nur nutzen! 73 Nils, DK8OK (der den Austritt für die einzig mögliche Konsequenz hält – vorbehaltlich eines Wiedereintrittes, wenn der Verein zur Vernunft gekommen sein sollte …)

    • Der Verlust von 1.000 Mitgliedern im Jahr wurde gerade erst von Artur von der Funkwelle in schönen Diagrammen erwähnt: https://www.youtube.com/watch?v=VXLSSm7vUHI

      Dass der DARC ein kleines 70er-Jahre-Hotel betreibt, war mir nicht bekannt und ich wollte es nicht glauben. Aber doch, eine “DARC Vorrats GmbH” ist der Eigentümer: https://www.northdata.de/HSB+Hotel+Stadt+Baunatal+GmbH,+Baunatal/Amtsgericht+Kassel+HRB+17581

      Das erinnert mich an die Vorrats-Aktiengesellschaften in den USA, die dann pro forma eine hippe Tech-Firma kaufen, die damit unkompliziert an die Börse kommt. Vielleicht plant der DARC am Ende auch einen Börsengang – wenig Mitglieder, viele Aktionäre.

      Danke, Nils, für diese Berichterstattung außerhalb Deines fantastischen, technischen Contents. Neben dem Blog lese ich die Artikel in FA und Kurier immer gern und bin hinterher echt schlauer.
      Oliver

      • Danke, Oliver – schöner Link auch zum wirklich eindrucksvollen Video von Arthur! 73 NIls, DK8OK

      • … tja, Oliver, danke auch für den Hinweis auf Arthurs YouTube-Vortrag. Wer Ohren hat zu hören: Auch er kriegt keine Zahlen vom DARC. Mit Grund. Und wer Augen hat zu sehen, dem gehen diese wirklich über … Wie sagt man im Saarland? “Hauptsache, gut ‘gess – geschafft hamwer schnell …” Könnte Wappenspruch mancher DARC-FUnktionäre sein, meint: Nils, DK8OK

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