DARC: 25 Jahre “vereinsschädigendes Verhalten”

Innerhalb von nur 25 Jahren hat sich die Mitgliederschaft des DARC beinahe halbiert, seine technische Kompetenz – siehe SDR-Transceivernetz – ist allenfalls  diskutabel, sein Verhältnis zu Behörden erodiert, und statt klassischem Ham Spirit finden sich Denunziation sowie Diskriminierung. Was ist da passiert?

Bis in die 1990er-Jahre hinein hatte sich die Mitgliederzahl des DARC e.V. positiv entwickelt. Dann jedoch schlugen seine Funktionäre sehenden Auges eine Politik ein, mit der sie  den “Bundesverband” auf praktisch allen Ebenen massiv schädigten.

Den Wendepunkt markiert das Jahr 1993. Es ging damals u.a. um die Frage, ob Funkamateuren der Kurzwellenbetrieb ohne den Nachweis von Morsekenntnissen (CW) erlaubt werden sollte. Interessanterweise kam dieser Vorstoß aus dem damals hierzu zuständigen Ministerium. Also nicht etwa vom “Bundesverband für den Amateurfunk”, wie der DARC e.V. sich gerne nennt.
Der DARC lehnte den Verzicht auf die Morseprüfung jedoch nicht nur ab, sondern ließ mit seinem “CW-Statement” jene Funkamateure, die sich der CW-Prüfung nicht unterziehen mochten, wie lernfaule Charakterschweine aussehen.

Angst vor innovativer Technik

Ich allerdings hatte im Gegenteil den Verzicht auf die CW-Prüfung und zur Förderung des Amateurfunks schon lange vordem vertreten: der Abschaffung der CW-Pflicht sollte man eine ideelle Unterstützung zum Erhalt der liebenswerten Betriebsart zur Seite stellen – was ich u.a. durch die Vorstellung vieler Morsetasten und ihrer Eigenheiten in der Fachzeitschrift “funk” tatkräftig, öffentlichkeitswirksam und weithin einzigartig unternahm.
Im Gegenzug zum Verzicht auf die CW-Prüfung wäre der Amateurfunk attraktiv für die sich damals bereits abzeichnenden Digimodes geworden, deren Entwicklung und Betrieb ganz andere Fähigkeit als die Beherrschung der Tastkunst erfordert – und ohne, dass man deren Freunde verliert.

Funktionäre können nun kräftig feiern!

Der DARC-Vorstand jedoch setzte sich in der darauf folgenden Auseinandersetzung in objektiv vereinsschädigender Weise durch: die jeweiligen Vorstände schickten mit ihrer Politik die Zahl der Mitglieder des DARC in einen nachhaltigen Sinkflug: von 60.000 im Jahre 1993 auf rund 34.000 im Jahre 2018. Die aktuelle Zahl ist geschätzt, der DARC gibt [auch?] Außenstehenden zu diesem Niedergang offenbar keine Auskünfte.

2018 also können so manche Vorstände des DARC und so manches Ehrenmitglied miteinander “25 Jahre objektiv vereinsschädigendes Verhalten” feiern. Zum Verlust fast der Hälfte der Mitglieder schädigten sie den Verein überdies um weitere, oft sechsstellige Summen. Etwa durch ihre laienhafte Personalpolitik. Aber wenigstens eines ist kräftig gewachsen: ihr Spesenbudget.

Das falsche Schwein geschlachtet

25 Jahre auch ist es her, dass der DARC ausgerechnet mich wegen “vereinsschädigenden Verhaltens” ausschloss. Darauf ist er bis heute so stolz, dass selbst aktuelle Vorstände gerne bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf erneut aufmerksam machen.

Neben dem “Silberjubiläum” ein Grund mehr darauf hinzuweisen, dass sich mein angeblich “vereinsschädigendes Verhalten” ausschließlich in der Phantasie der Funktionäre abspielte – im Gegensatz zu deren Verhalten, das den Verein bis heute ganz konkret und Monat um Monat, Jahr um Jahr schädigt.

Ich hingegen bin – auch und gerade öffentlich – immer für einen starken DARC und dessen kräftiges Wachstum eingetreten. Das ist in unzähligen Zeitschriften- und Zeitungsartikeln dokumentiert.

Bis heute nix gelernt

Die für den DARC offenbar auch nach 25 Jahren weiterhin hochaktuellen Ereignisse (meine vielfältigen Versuche, auch mit Rückenwind von Distriktsvorständen, dem Verein wieder beizutreten, scheiterten bis heute am Bundesvorstand – sie haben offenbar nix gelernt) hatte ich zum Anlass genommen, der Fachzeitschrift “Funktelegramm” ein Interview zu diesem Thema zu geben. Ihr könnt es hier nachlesen. Zugleich stelle ich hier meine Rede zur Verfügung, die ich 1994 auf der Hauptversammlung in Cottbus gehalten hatte.

Dr. Ellgerings Weitsicht: “Fernere Zukunft”

Der damalige DARC-Vorsitzende Dr. Horst Ellgering, der den Verein, aber auch den Amateurfunk insgesamt mit knatternden Fahnen in diesen Schlamassel führte, erklärte am 7. November 1993 in einem seiner diffamierenden “Offenen Briefe” ausgerechnet mir gegenüber:
“Was Deine Aktivitaeten fuer den Amateurfunk bedeuten, mag jeder fuer sich beurteilen. Endgueltigen Aufschluss bringt hierueber erst eine fernere Zukunft.
Nun ist ein Vierteljahrhundert rum. Was seine Aktivitäten und die seiner Nachfolger brachten, wissen wir langsam. Und natürlich kam das heutige “Ehrenmitglied” des DARC niemals auf seine Bemerkung zurück.

2 comments

  • Ja, das ist schon starker Tobak! Habe grade die beiden verlinkten Briefe/Reden aus dem vorletzten Absatz gelesen. Kann man nur den Kopf schütteln drüber… Für mich war übrigens die CW-Pflicht immer das Hauptargument, keinen ‘echten Amateurfunk’ zu betreiben 😉

    • Danke, Rainer – und “Amateurfunk an sich” ist ja ne wirklich tolle Sache. Aber der Vereinsfunk … “Bäuchlein Marke Spesenstolz / und der Kopf aus nüscht wie Holz”. 73 Nils, DK8OK

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