SDR-Netz des DARC e.V.: Rauschende Ergebnisse

R2T2_Braunschweig_ANT1

Einfach vergleichen: Oben CHU 14.670 kHz an einem Remote-Standort des DARC e.V., unten zur selben Zeit an einem durchschnittlichen Standort.

Aus den Mitteln seiner “Mitgliedschaft Pro” bestellte der DARC e.V. im Jahre 2014 sein Web-SDR-Transceivernetz. Es soll seinen Mitgliedern “weltweiten Funkbetrieb aus dem heimischen Shack ermöglichen”. Jeder der über 1.000 DARC-Ortsvereine war aufgerufen, sich als einer der zwölf Standorte zu bewerben. Gesucht waren solche Locations, die vor allem einen störungsarmen Empfang und gute Antennenmöglichkeiten bieten – was der Funkamateur in der Stadt eben nicht hat.

Obwohl die R2T2 genannten Geräte für über 25.000 Euro längst ausgeliefert wurden, ist es bedauerlicherweise merkwürdig still um dieses schöne Projekt geworden; auch die zugehörige Yahoo-Newsgroup scheint nicht mehr ansprechbar zu sein.

Wie also ist der von außen (ich bin kein Mitglied des DARC e.V., begrüße aber dieses Vorhaben uneingeschränkt!) sichtbare Stand des Projektes?

Um das zu erkunden, habe ich am 20.12.2017 alle verfügbaren Remote-Standorte (sechs, und die auch lediglich empfangsseitg ansprechbar) mit dem Empfang “im heimischen Shack” – leider einer ziemlich durchschnittlichen Location – verglichen.

Die ersten Ergebnisse habe ich in einem PDF zusammengefasst, das ihr hier unter R2T2 herunterladen könnt.

Diese Versuche wurden zur Vervollständigung des Bildes fortgesetzt – siehe unten. So nahm ich am  21.12. um 07:45 UTC einen Vergleich auf 17.950 kHz vor, wo bei mir der Rundfunksender China Radio International/Kashgar mit einem SNR von gut 31 dB einfiel: bis auf ein sehr schwaches und praktisch unverständliches Signal vom Remote-Standort Wiblishauserhof war auf den anderen Remote-SDRs des DARC so gut wie nichts zu hören, zum Teil wegen (lokaler?) Störungen. Unten der Vergleich meiner Station (unten)  mit dem bayerischen Remote-SDR (oben).

r2t2_Bayern_17950

Vergleich China Radio International, 17.950 kHz: oben der bayerische SDR des DARC-Remote-Netzes, unten dieselbe Station zur selben Zeit am Standort DK8OK.

Einen weiteren Test unternahm ich am 26.12.2017 gegen 12:30 UTC auf 1.521 kHz (CRI/Kashgar, Nähe zum 160-m-Band) und auf 4.800 kHz (China National Radio 1/Golmud). Diesmal erfolgte der Vergleich an einer Aktivantenne (statt der Quadloop)  meinerseits, die bei beiden Stationen eine Empfangsqualität von SIO 253 bot.
In beiden Fällen war das Ergebnis ähnlich: von den sechs verfügbaren Remote-SDRs konnte drei die Stationen überhaupt nicht empfangen. Eine weitere lag knapp über der Hörschwelle, Schöppingen zog fast gleichauf, während Wiblishauserhof in etwa Gleichstand mit meiner Anlage bot – als einzige Station von zwölf bezahlten/geplanten. Für gut drei Jahre Bauzeit und über 25.000 Euro Investment ein Befund mit durchaus Luft nach oben.

Eine Fortsetzung derartiger Vergleiche scheint daher solange sinnlos, wie das DARC-Netz nicht erweitert bzw. Standort/Antennen/SDRs entscheidend geändert werden.

Was hingegen engagierte Hobbyhörer ehrenamtlich und mit allein privatem Geld im Gegensatz zum “Bundesverband für den Amateurfunkdienst” der staatlich geprüften Hobbyfunker zustande bringen, zeigt – ebenfalls mit 14-Bit-SDRs – das leistungsstarke Kiwi-Netz.

4 comments

  • Das ganze Projekt ist ein Dokument des Scheiterns, gut gemeint, aber leider allzu dilettantisch umgesetzt. Gut 21 Monate nach der Übergabe der SDR an die ausgewählten Ortsverbände auf dem Hamradio 2016 ist nach wie vor nur eine Handvoll SDR dauerhaft in Betrieb, überwiegend mit dürftigen Empfangsleistungen. Das verantwortliche VO-Mitglied DL3MBG ist in Sachen DARC-WEB SDR mittlerweile abgetaucht. Totschweigen und Gras drüber wachsen lassen scheint die Devise. Verbockt haben es allein die Ortsverbände, die es nicht hinkriegen. Schade um das viele Geld und die sicher gute SDR-Hardware. Aber auch die Entwickler scheinen keinen Anspruch zu haben, das Projekt noch zu einem Erfolg zu machen. Eine gute Referenz sieht anders aus.
    73 Thomas, DH1TS

  • Danke, Thomas. Und wieder eines der vielen Beispiele, in denen mit fremder Leute Geld einem Vereinskameraden was Gutes getan wird – während es auf “das Projekt” dahinter nicht recht ankommt und man hofft, dass jene, die das Vergnügen bezahlt haben, das alles recht schnell vergessen. Die Beispiele sind Legion. Fragt man (also: nicht ich!) als DARC-Mitglied den DARC-Vorstand zu diesem Skandal, ist von ihm als einzig Konkretes zu hören, dass ich ja schließlich “wegen vereinsschädlichen Verhaltens” aus dem DARC geflogen sei. Was a) mit der Verschwendung von Mitgliederbeiträgen reinweg gar nichts zu tun hat und b) ausgerechnet von jenen geprollt wird, die dem DARC nun wirklich nachweislich und substantiell geschadet haben und weiterhin schaden. Immerhin kam dabei auch raus, dass der Vertrag, den der DARC mit den betreffenden Ortsverbänden geschlossen hat, vorsehen soll, den Transceiver nach drei Monaten Untätigkeit dort wieder zurückzufordern. Aber auch da ist wohl nichts passiert, bislang. Es gibt so viele gute Ideen, so viel Engagement, so viel Geld. Aber der Vorstand versemmelt eine Sache nach der anderen. Hauptsache der Spesenetat steigt und steigt. 73 Nils, DK8OK

    • Das SDR-Projekt war der letzte Anstoß für mich den DARC nach 28 Jahren zu verlassen. Ich habe mich in dieser Zeit immer auf der OV-Ebene engagiert, aber irgendwann hat die Motivation nicht mehr ausgereicht. Der Amateurfunk in Deutschland braucht ohne Zweifel eine starke Interessenvertretung, aber mit diesem VO und AR ohne mich. Zum Glück habe ich Freunde im Amateurfunk gefunden, die unsere Freundschaft nicht an einer DARC-Mitgliedschaft festmachen. 73 Thomas, DH1TS

  • Pingback: DARC: 25 Jahre “vereinsschädigendes Verhalten” | Nils Schiffhauer – DK8OK

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